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Was ist Existenzanalyse?

Existenzanalyse ist eine existenziell-humanistische Psychotherapie für die Behandlung seelischer Probleme und Störungen wie: Ängste,  Depressionen,  Süchte,  Psychosen,  Psychosomatische Krankheiten.

Sie wurde vom Wiener Psychiater und Neurologen V. E. Frankl (1905 1997) in den 30er Jahren begründet. Das Ziel existenzanalytischer Psychotherapie ist es, mit innerer Zustimmung handeln und leben zu können (Authentizität).

Im bejahten Erleben von Wertvollem oder im Engagement für Wertvolles bringt der Mensch der existenzanalytischen Anthropologie zufolge seine Existenz zur Erfüllung (Sinn).

Als phänomenologisch-personale Psychotherapie ist die Arbeit auf ein (geistig und emotional) freies Erleben, auf authentische Stellungnahmen und auf einen eigenverantwortlichen Umgang mit dem (eigenen) Leben und der Welt ausgerichtet.

 

Was ist Logotherapie?

Logotherapie ist eine sinnorientierte Beratungs- und Behandlungsmethode (Logos = Sinn). Sie gibt Anleitung und Hilfestellung bei einmaligen Krisensituationen wie

Enttäuschungen, Belastungen, Verluste, schwere Krankheiten, Fehlentscheidungen, Umgang mit Tod und Trauer

Bis zu längerfristigen Begleitung von Psychosen und körperlichen Behinderungen (Rehabilitation und Langzeittherapie)

Immer schon versuchte der Mensch, dem Sinn seines Lebens nachzugehen, es existenziell zu vertiefen. Die Frustration dieses Verlangens, sein Leben in einenm größeren Zusammenhang zu verstehen, ist zum Symptom unserer Zeit geworden. V.E. Frankl (1905 1997) nennt diese Zeitkrankheit existenzielles Vakuum und hat schon seit den 30ger Jahren dafür die Logotherapie als Beratungs- und Behandlungsmethode entwickelt.

Logotherapie gründet auf dem Nachweis, dass menschliches Leben auch unter schweren und extremen Bedingungen die Möglichkeit sinnvoller Gestaltung in sich trägt durch Verwirklichung von

  • Erlebniswerten (Natur, Kunst, Begegnung)
  • Schöpferischen Werten (Kreativität, Handlungen)
  • Einstellungswerten (Beziehen einer Einstellung zu unabänderlichem Leid)

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Ausführliche Begriffsbestimmung

Viele Menschen leiden heute an Sinnlosigkeits-und Leergefühlen, die zu seelischen Erkrankungen führen können oder die sich in maskierten Formen existentieller Frustration (z.B. Konsumhaltung, Gewalttätigkeiten, Suchtproblemen) manifestieren. Darum bietet die Logotherapie den Menschen in besonderen Krisensituationen ihre spezifische Hilfe an zur Sinnfindung bzw. zu einem eigenverantworteten Handeln, zur freien Entfaltung und selbstbestimmten Gestaltung ihres Lebens. Wo ein Mensch an Orientierungslosigkeit leidet, ist er aufgefordert, sich neu zu besinnen, sich mit seinen Wertvorstellungen, seinen Haltungen und seiner Beziehung zur Welt auseinanderzusetzen. Logotherapie will die Wahrnehmungsfähigkeit eines Menschen fördern und mit ihm die Haltung phänomenologischer Offenheit einüben, daß er auf dem Hintergrund der Wertewelt seine konkreten Handlungs-und Erlebnismöglichkeiten erkennt bzw. ergreift. Die Entscheidung bleibt beim Einzelnen, der in der Einzigartigkeit seiner Person auf den Sinnanspruch der Situation zu antworten herausgefordert ist.

Nicht immer ist ein Mensch in der Lage, auf Grund seiner Verantwortlichkeit und gemäß seiner Werterkenntnis zu handeln, weil der emotionale Zugang zu einem personalen Werterleben verschüttet ist. Hier ist die Existenzanalyse als eine spezifische psychotherapeutische Behandlungsform aufgerufen, der Person eines seelisch leidenden Menschen zu einem geistig und emotional freien Erleben sowie zur authentischen Stellungnahme und zu einem wertfühlenden Umgang mit sich selbst und ihrer Welt zu verhelfen. Die Existenzanalyse konzentriert sich deshalb auf die personalen Voraussetzungen, die der Mensch braucht, um sinnerfüllt leben zu können. Ausgangspunkt im therapeutischen Prozeß ist stets die Aktualität, die in ihrer gegenwärtigen und biographischen Gestalt im Hinblick auf die künftige Lebensführung durchleuchtet wird. Dabei nimmt die Existenzanalyse Bezug auf die spezifisch menschlichen Fähigkeiten zur Auseinandersetzung, Meinungsbildung und Stellungnahme, zur freien Wahl und zu vertretbaren Entscheidungen sowie zum Eingehenvon Verbindlichkeiten und Beziehungen.

Logotherapie und Existenzanalyse wurden in den dreißiger Jahren von dem Wiener Psychiater und Neurologen Viktor E. Frankl entwickelt. Damit schuf ihr Begründer einen Ansatz, der in besonderer Weise die geistige Dimension des Menschen in den Blick nimmt. Erst diese "Dimension der spezifisch humanen Phänomene" befähigt den Menschen, zu sich selbst zu kommen, sich gegenüber seinen Bedingtheiten zu verhalten und sich über sich selbst hinaus auf Sinn und Werte ausrichten zu können. Seinen Ausdruck findet das Geistige in der Freiheit und Verantwortlichkeit des Menschen sowie in seiner Fähigkeit zur Selbsttranszendenz und Selbstdistanzierung, die ihn als "weltoffen" charakterisiert. Der Mensch ist als Person darauf angelegt, über sich selbst hinaus zu gelangen, in seinem Dasein Sinn zu erfülllen und Werte zu verwirklichen. Auf der Suche nach dem Sinn leitet ihn das Gewissen, das ihn befähigt, den einmaligen und einzigartigen Sinn, der in jeder Situation verborgen liegt, aufzuspüren.

In den 80er und 90er Jahren wurde dieser Ansatz im Verständnis der Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse, Wien (GLE) als psychotherapeutische Methode weiterentwickelt, was schließlich 1993 in Österreich zur staatlichen Anerkennung der Existenzanalyse als fachspezifische Richtung der Psychotherapie führte. Die Personale Existenzanalyse als methodischer Rahmen sowie die personalen Grundmotivationen als basale existentielle Strebungen des Menschen sind in diesem Zusammenhang insbesondere von Alfried Längle herausgearbeitet worden. Als weitere Namen im Zusammenhang der Weiterentwicklung hinsichtlich des Stellenwertes von Selbsterfahrung in existenzanalytischer Ausbildung, der Bedeutung biographischer Arbeit in der existenzanalytischen Psychotherapie, des existenzanalytischen Verständnisses klinischer Krankheitsbilder sowie existenzanalytischer Impulse für die Pädagogik sind Lilo Tutsch, Günter Funke und Christoph Kolbe zu nennen.

In Deutschland ist die Existenzanalyse ein integraler Bestandteil des einheitlichen Verfahrens „Humanistische Psychotherapie“. Unter dem Dach der Arbeitsgemeinschaft Humanistische Psychotherapie (AGHPT) entwickeln ihre Mitgliedsverbände gemeinsame Standards zu Methodik, wissenschaftlicher Erforschung, Qualitätskontrolle und Aus-, Fort- und Weiterbildung.

 

Anwendungsbereiche 

Auf der Grundlage des oben beschriebenen anthropologischen Konzeptes der Existenzanalyse findet die Logotherapie als sinnorientierte Beratung und Begleitung ihre praktische Anwendung in Lebensberatungsstellen, Pädagogik (Schule, Erwachsenenbildung), Sozialarbeit, Medizin, Krankenpflege, Hospizarbeit, Seelsorge und überall dort, wo wesentliche Arbeit zur Prophylaxe von seelischen Erkrankungen und zur Klärung der Lebenssituation geleistet wird.

Als psychotherapeutische Methode wird die Existenzanalyse angewandt bei psychosozialen, psychosomatischen und psychisch bedingten Erlebens-und Verhaltensstörungen mit dem Ziel, die Person aus den Fixierungen, Verzerrungen, Einseitigkeiten und Traumatisierungen, die ihr Erleben und Verhalten beeinflussen, zu lösen. 

Zunehmend findet der Ansatz auch Anwendung im Bereich der Organisationsberatung, im Coaching sowie der beruflichen Supervision.

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