Leitung: Helmut Dorra

verstehen - strukturieren - gestalten

Ein Weiterbildungskonzept für Menschen mit Führungsverantwortung und Leitungsauf- gaben in betriebswirtschaftlichen Organisationen sowie in pflegerischen und sozial- therapeutischen Institutionen.

Führungskräfte in betriebswirtschaftlichen Organisationen sowie in pflegerischen und sozialtherapeutischen Einrichtungen tragen Verantwortung für die inhaltlichen Zielbestimmungen und deren praktische Umsetzung in der Strukturierung und Gestaltung organisatorischer und institutionellen Arbeitsprozesse.
In ihren Führungsaufgaben sind sie mitverantwortlich für die Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit und den wirtschaftlichen Erfolg ihres Unternehmens.
Um diese Ziele zu erreichen, ist Führung allem voran auf Menschen ausgerichtet sowie auf das Zusammenwirken aller Mitarbeiter, die durch ihr persönliches Engagement und ihre gemeinsame Leistung zur Verwirklichung unternehmerischer Zielsetzungen, zur Produktivität und zur Qualitätsentwicklung beitragen.
Im Zentrum organisatorischer und institutioneller Führungsaufgaben steht daher die Person in der Arbeitswelt, die mit ihrem Gestaltungspotential und ihrer Arbeitskraft ökonomische Effizienz, Entwicklung und Wachstum ermöglicht.
Führungskompetenz wird im Kontext einer betrieblichen Organisation der Person Raum bieten und Rahmenbedingungen schaffen zu einem eigenverantworteten, wertbezogenen und kooperativen Arbeiten.
Das Weiterbildungskonzept Kompetent führen vermittelt darum vorrangig Kenntnisse und Kompetenzen, die zur Entfaltung personaler Fähigkeiten und zur Entwicklung der Persönlichkeit beitragen.

Anthropologische Grundlagen der Weiterbildung

Ein anthropologisch fundiertes und personorientiertes Führungsmanagement leitet die Mitarbeiteten an zum gemeinsamen Handeln im Kontext struktureller Gegebenheiten, ethischer Normen und inhaltlicher Zielbestimmungen eines Unternehmens.

Richtungweisend sind dabei die anthropologischen Grundlagen der Existenzanalyse, die ein Verstehen des Menschen in seiner Würde und seinem Wesen an den Anfang stellt: seine potentielle Freiheit und Verantwortlichkeit wie auch seinen Willen zur Eigeninitiative und zum persönlichen Engagement.

Das auf diesem anthropologischen Fundament gründende Führungsverständnis ist von einem Motivationskonzept geleitet, das den Menschen wesenhaft auf Sinn und Werte ausgerichtet sieht.
Jeder Mensch ist darauf aus, sich selbst transzendierend für seine Sache einzusetzen und beizutragen, eine gemeinsame Aufgabe zu erfüllen und Sinn zu verwirklichen.

Der „Wille zum Sinn“ ist die fundamentale Strebung des Menschen, mit innerer Zustimmung zu leben, mit seinem Handeln und Verhalten Antwort zu geben auf die situativen Fragen und die Herausforderungen des Lebens.

Dieser primäre Beweggrund schließt die Möglichkeit des Sein-Könnens, die Erfahrung des Wertseins und die Legitimation des Selbstseins ein. Die konstitutiven Grundstrukturen der Existenz umfassen somit den Weltbezug, den Lebensbezug und den Selbstbezug des Menschen.

Existentielle Kompetenz

Das zentrale Anliegen eines personorientierten Weiterbildungskonzeptes besteht darin, zu einer existentiellen Kompetenz anzuleiten, somit zu einem Selbstverständnis, das sich nicht gefangen sieht in den biographisch vorgegebenen, den sozialen oder kausalen Bedingtheiten und der oft beklagten Normativität des Faktischen.

Existentiell ist die Führungskraft herausgefordert, Möglichkeiten zu ergreifen, der Wirklichkeit und dem Faktischen gegenüber Stellung zu nehmen wie auch die jeweiligen Alltagssituationen sinnvoll zu gestalten.

Ein aus den existenzanalytischen Grundlagen abgeleitetes Weiterbildungskonzept für Menschen mit Führungsverantwortung verweist darum zunächst auf die Persönlichkeit der Führungskraft und ihr Eigenverhältnis.

Ihr Selbstverstehen und Selbstverständnis, ihre innere Dialogfähigkeit wird sich auswirken auf das Führungsverhalten, auf die interaktiven Beziehungen und auf ein engagiertes Handeln.
Entscheidend ist, dass die Führungskraft als Persönlichkeit zur Erscheinung kommt, nicht allein in dem, was sie vermittelt, sondern in der Art und Weise, wie sie sich mitteilt.
Das Eigenverhältnis korrespondiert so mit einem nach außen gerichteten, selbsttranszendenten Verhalten, das intentional bezogen ist auf die Welt und ihren situativen Anfragen und Herausforderungen.
Für diesen existentiellen Weltbezug ist eine Sichtweise handlungsleitend, die nicht auf innere Ansprüche, auf Erwartungen, Wünsche oder Vorstellungen reagiert, sondern auf das antwortet, worum es eigentlich geht.
Dazu bedarf es einer existentiellen Grundhaltung phänomenologischer Offenheit, die faktische Gegebenheiten realistisch wahrzunehmen vermag und die vorfindliche Wirklichkeit anzunehmen wagt.

Erst dann weitet sich der Horizont, Möglichkeiten zu erkennen und zu konkretisieren: eine Perspektive, die Handlungsräume erschließen wie auch Chancen zur Veränderung und Weiterentwicklung entdecken und ergreifen kann.
Im Modus phänomenlogischer Offenheit ist die Führungskraft dem eigenen innern Erleben gegenüber wertfühlend aufgeschlossen und bleibt der äußeren Welt interessiert und teilnehmend zugewandt. Sie ist nicht festgelegt auf die Vergangenheit, sondern auf Zukunft, auf Wandel und Wachstum hin orientiert und zu Veränderungen bereit.
Diese dialogische Wechselbeziehung und existentielle Grundhaltung wird sich auswirken auf das Führungsverhalten und die Motivation der Mitarbeiter, weil der Einzelne wahrgenommen wird in seinem subjektiven Erleben, in seinen je eigenen Beweggründen und seinen Entwicklungsmöglichkeiten.
Wenn ein Mensch sich als Person angesprochen und verstanden erfährt, wird er seine Potentiale entfalten und sich in der Zusammenarbeit mit anderen für die gemeinsame Sache einsetzen, eigenverantwortlich seine Aufgaben erfüllen und schließlich zum Erfolg seines Unternehmens beitragen.


Module der Weiterbildung

Führungskompetenz erweist sich im Vollzug personaler Fähigkeiten, durch die existentielles Handeln wirksam wird.

Personale Freiheit und existentielle Verantwortung bilden dabei die beiden Brennpunkte, die den Prozess einer inneren und äußeren Dialogik im wechselseitigen Beziehungsgefüge von Selbst und Welt zentrieren, die nicht zuletzt den Prozess der Weiterbildung Kompetent führen strukturieren.

Drei Module setzen die inhaltlichen Akzente, die einen jeweiligen Kompetenzbereich kennzeichnen, und die eine Führungskraft qualifizieren.

Das Weiterbildungskonzept fokussiert den Lernprozess diesen drei Kompetenzbereichen entsprechend auf die Themenschwerpunkte und die einzelnen Module:

Verstehen - Strukturieren - Gestalten

Das erste Modul Verstehen akzentuiert das Eigenverhältnis und Selbstverständnis einer Führungskraft.

Hier werden Themen formuliert, die auf die eigene Person und Persönlichkeit bezogen, inneres Erleben, Wertüberzeugungen und Beweggründe, Haltungen, Persönlichkeitsstrukturen und Führungsstile reflektieren, und die zur eigenen inneren Positionierung anleiten.


Das zweite Modul Strukturieren umfasst den Themenbereich, der den Prozess einer aufgabenbezogenen und zielführenden Planung in Einzelthemen reflektiert und in methodischen Schrittfolgen und logischem Verlauf vermittelt.

Das Selbstverstehen und das Selbstverständnis, mithin die innere Positionierung einer Führungskraft ist auf ihre Entscheidungskompetenz hin ausgerichtet.

Hier geht es um die existentiellen Strukturelemente und Grundbedingungen, die als fundamentale Strebungen existentielles Handeln motivieren.

Im Beziehungsgefüge und im Kontext komplexer Bedeutungs- und Verweisungszusammenhänge wie auch im ungreifenden Sinnhorizont der Zeit- und Zukunftsperspektive wird es darauf ankommen, innerhalb der Bedingtheiten und faktischen Vorgaben das Wesentliche zu erfassen, Prioritäten zu setzen, zu planen und gemeinsame Aktivitäten auf ein Projekt oder Unternehmensziel hin auszurichten.

Damit wird ein Handlungsfeld erschlossen, das Realität bezogen einen Raum gibt wie auch einen Aktionsradius begrenzt, der konkrete Entscheidungen begründet und der einen Entscheidungsprozeß im Team oder einer Organisation strukturiert.


Schließlich wird in einem dritten Modul Gestalten der Lernprozess fokussiert auf das praktische Führungsverhalten, auf eine interaktive, kooperative und kommunikative Kompetenz, die sich im entschiedenen Handeln wirksam erweist.

Die beiden Kompetenzbereiche Verstehen und Strukturieren bilden dabei die Voraussetzung und Befähigung für einen Führungsprozess, der in einer gestalterischen Interaktion die Führungsaufgaben pragmatisch und produktiv strukturiert und koordiniert.

Personal- und Teamentwicklung sind zwei wesentliche Aufgabenfelder, die von einer Führungskraft Kontinuität, Klarheit, fachliche Kenntnisse und persönliches Engagement abverlangen.

Selbstgewissheit, Authentizität und Autorität einer Führungskraft werden sich im Umgehen mit Menschen, im Gespräch mit den Mitarbeitern erweisen, wenn es darum geht, Konflikte zu klären, Krisensituationen zu bewältigen, Mitarbeiter zu konfrontieren und zu kontrollieren, kreative und konstruktive Lösungen zu finden, Konsens herzustellen und gemeinsame Aufgaben zu erfüllen.

Zu den Gestaltungsfähigkeiten einer Führungskraft gehört nicht zuletzt, Mitarbeiter zu motivieren, dass sie mit ihren fachlichen Leistungen Sinn finden in der Arbeit, dass sie Leitziele ihres Unternehmens umsetzten in ihrem konkreten Arbeitsalltag und schließlich im Zusammenwirken aller Beteiligten und Tätigen zu Wachstum und Entwicklung beitragen.

Modul A: VERSTEHEN
Selbstkompetenz

- Die existentielle Dimension des Daseins
- Die Bedeutung der Arbeit für den Menschen
- Führen im Spannungsfeld von Organisation und Individuum
- Führungsleitbilder in Organisationen und Institutionen
- Führungskonzepte: Management - by - Konzepte
- Führungskompetenz in sozialtherapeutischen und pflegerischen Berufsfeldern
- Das Menschenbild als Leitmotiv im Führungsmanagement
- Das anthropologische Fundament einer personalen Führungstheorie
- Die Bedeutung personaler Kompetenz für die Führungspraxis
- Personale Fähigkeiten und pragmatische Funktionen
- Autorität einer Führungskraft: Wahrhaftigkeit, Treue, Autonomie
- Selbstverstehen und Selbstverständnis einer Führungskraft
- Authentisch führen: die Fähigkeit zu überzeugen
- Persönlichkeitsstrukturelle Potentiale erkennen und sinnvoll einsetzen
- Phänomenologische Haltung als freie Sicht auf Wirklichkeit und Möglichkeit
- Verantwortungsethik im Kontext einer konzeptionell begründeten
Führungspraxis


Modul B. STRUKTURIEREN
Entscheidungskompetenz


- Leitziele betrieblicher Organisationen/Institutionen entwickeln
- Zukunftsorientierte Personalentwicklung
- Zweckbezogene oder sinnorientiertes Arbeiten
- Der Wille zum Sinn: das menschliches Primärmotiv
- Das Prinzip des Handelns: pro-aktiv vs. re-aktiv
- Werte als Beweggründe des Handelns
- Die grundmotivationalen Voraussetzungen des Handelns
- Existentielle Grundbedingungen und fundamentale Strebungen: Strukturelemente im Führungsprozeß
- Die Dimension der Emotion: die Bedeutung der Gefühle für wertorientiertes, zielgerichtetes Führungsverhalten
- Das Wesentliche sehen – Prioritäten setzen
- Perspektiven entwickeln – Ziele definieren
- Entscheidungen treffen – mit Entschiedenheit handeln
- Schritte zur Entscheidung: methodische Vorgehensweise im Entscheidungsprozeß
- Entscheidungsprozesse leiten im Kontext von Organisationen und im Mitarbeiterteam
- Strukturen und Zäsuren einer Projektplanung
- Zeitmanagement: Arbeitsziele und Arbeitszeiten
- Grenzen setzen – Freiraum gewinnen
- Verantwortung delegieren und Zielvereinbarungen treffen
- Mitarbeiter motivieren und Eigenverantwortung fördern


Modul C: GESTALTEN
Interaktive, kooperative und kommunikative Kompetenz


- Der Führungsprozeß: Interaktion zwischen Organisation und Individuum
- Die phänomenologische Haltung. Paradigma einer personorientierten Führung
- Mitarbeiterführung: Verhaltensweisen verstehen – auf Beweggründe antworten
- Grundlagen der Kommunikation: Strukturmodell einer allgemeinen Kommunikations-psychologie
- Differentielle Kommunikationspsychologie: Kommunikation im Regelsystem zwischen-menschlicher Beziehungsdynamik - Anleiten zum Dialog: Kriterien einer personale Gesprächsführung
- Mitarbeitergespräche führen und Mitarbeiterbesprechungen leiten
- Krisenmanagement: Konflikte erkennen, klären und konstruktiv bewältigen
- Aktivierung personaler Stellungnahmen in Krisensituationen
- Grundlagen der Gruppendynamik
- Personalentwicklung: personale Mitarbeiterführung und Förderung
- Teamentwicklung: Führen im Team
- Die Person respektieren durch Kritik und Anerkennung
- Rhetorik: praktische Hilfen und Hinweise für Rede und Vortrag
- Kontrolle als Instrument der Mitarbeiterförderung und Qualitätssicherung
- Überzeugend präsentieren und moderieren
- Die Führungskraft als Coach
- Projektmanagement: Qualitätssicherung


Leitung der Weiterbildung

Helmut Dorra
Kaufmännische Ausbildung, berufliche Praxis als Buchhändler und Abteilungsleiter im Verlagswesen, Studium der Philosophie, Theologie und Psychologie. Dipl. Theologe. Existenzanalytischer Psychotherapeut, Heilpraktiker für den Bereich Psychotherapie, Logotherapeut und existenzanalytischer Berater (Lebensberatung), Leiter des Hamburger Institutes für Existenzanalyse und Logotherapie, Ausbildner und Lehrsupervisor der Gesellschaft für Logotherapie und Existenzanalyse. Supervisor, Dozent in der Gesundheitsbildung sowie in der Fort- und Weiterbildung für pflegerische und soziale Berufe mit dem Schwerpunkt Gerontopsychiatrie. Existenzanalytischer Coach und Berater für den Bereich Organisationspsychologie, Führungsmanagement und Teamentwicklung.

Abschluss der Ausbildung

Die Ausbildung wird mit der Präsentation eines theoretischen Schwerpunktthemas bzw. einer praktischen Projektarbeit abgeschlossen.
Die TeilnehmerInnen erhalten einen Prüfungsnachweis der Akademie sowie ein Zertifikat über den Stundenumfang und die Inhalte der Weiterbildung.


Zeitrahmen

Die Weiterbildung hat einen Stundenumfang von insgesamt 60 Seminarstunden verteilt auf jeweils 3 Seminareinheiten (3 x 3 Tage)


Lernskripte

Die TeilnehmerInnen erhalten eine ausführliche Literaturliste sowie Seminarskripte und handouts zu den einzelnen Themenbereichen der Weiterbildung


Modus und Methoden der Weiterbildung
Vermittlung der Einzelthemen durch Vortrag, Selbstreflektion in der Gruppe, Übung und Training, Erfahrungsaustausch, Praxisbeispiele aus dem beruflichen Alltag.

Das Weiterbildungskonzept Kompetent führen stellt mit seinen anthropologischen Grundlagen die personorientierte Führung als Beziehungsprozess heraus, zu dem nicht allein fachliche Professionalität, sondern auch personale Fähigkeiten, persönliches Engagement und Eigenverantwortung Voraussetzung sind.

Darum wird in den Seminaren Gelegenheit gegeben zur Reflektion innerer Haltungen, zum Verstehen eigener Gefühle und Verhaltensweisen und zum Austausch je eigener Erfahrungen in der Führungsarbeit und im Alltagsleben.


Zielgruppe

Mit dem Weiterbildungskonzept Kompetent führen wenden wir uns an Menschen, die in Führungsverantwortung und leitenden Aufgaben innerhalb betriebswirtschaftlicher Organisationen oder pflegerischen / sozialtherapeutischen Institutionen arbeiten und die erfahrungsbezogen und praxisorientiert in der Gemeinschaft mit anderen lernen wollen.

Die Weiterbildung möchte den TeilnehmerInnen eine berufliche Qualifizierung ermöglichen und vermitteln, die den steigenden Anforderungen im Führungsmanagement gerecht wird.


Die Weiterbildung kann kompakt oder auch in einzelnen Modulen oder Themenschwerpunkten als Inhouse-Schulung durchgeführt werden.


Kosten

Insgesamt (60 Seminarstunden) Euro 1350,- (zzgl. MwSt) für Einzelteilnehmer